MEDISinn

Dass man mit dem PC ausschalten nicht immer sofort in den Feierband starten und mit der Arbeit abschalten kann, kennen sicherlich viele von uns. Der ein oder andere Gedanke an das Tagesgeschäft oder die noch offenen Aufgaben verfolgen viele von uns noch auf dem Heimweg. Doch kommt man zu Hause im privaten Umfeld bei Freunden oder der Familie an, schaffen es die meisten von uns mehr oder weniger abzuschalten, der Arbeit den Rücken zuzukehren und in den Feierabend zu starten.
Doch leider geht es nicht allen Arbeitnehmern so. Wenn man nach der Arbeit nicht mehr abschalten kann und sich auch nach Feierabend noch immer jeder freie Gedanke an die Arbeit richtet, können dies erste Symptome für eine Arbeitssucht sein. Dieses Phänomen ist jedoch bisher nur im geringen Ausmaß in das Bewusstsein der Menschen gedrungen. Der „Workaholic“ gilt derzeit immer noch als eine positive Charaktereigenschaft, die beneidenswert ist und angestrebt wird.
Dies ist fatal, denn die „Arbeitssucht“ gewinnt in einer Zeit, in der psychische Belastungen am Arbeitsplatz keine Seltenheit sind, immer mehr an Bedeutung und stellt eine nicht zu unterschätzende Bedrohung dar.
Vergleichbar mit anderen Süchten, wie zum Beispiel der Alkoholsucht, treten auch bei diesem Phänomen verschiedene Symptome auf, die die Betroffenen stark belasten und im schlimmsten Fall zum Tod führen können. Dazu zählen unter anderem Leistungsdruck, Arbeitszeiten, die eine 40 Stunden Woche weit überschreiten, sowie die Vernachlässigung von Freizeit und dem privaten Umfeld. Gleichzeitig leiden Betroffene unter der ständigen Angst vor der Arbeit und haben Schwierigkeiten eine Aufgabe zu beginnen und sich auf diese zu konzentrieren. Dennoch verlangen arbeitssüchtige Personen nach immer mehr Arbeit, sehen kein Ende und geraten in einen Alltag, der lang, anstrengend und von Zeitdruck geprägt ist. Freizeit gilt als Zeitverschwendung und Pausen? – gibt es nicht!
Folge dessen sind häufig ein zerrissenes Privatleben, wenig soziale Kontakte und eine fehlende Struktur im privatem Alltag. Eine Familie oder feste Beziehung kann in den seltensten Fällen aufrechterhalten werden.
Doch was können Betroffene dagegen tun?
Der erste wichtige Schritt ist zu erkennen, dass das gezeigte Verhalten problematisch ist und der Gesundheit auf Dauer schadet. Hat man dies erkannt, gelingt es häufig sich von der Sucht zu befreien und die Balance zwischen Arbeits- und Privatleben wiederherzustellen.
Viele Betroffene haben allerdings zuvor weder von dem Phänomen Arbeitssucht gehört, noch wurden sie damit jemals konfrontiert. Deswegen ist es sehr wichtig sich als Arbeitnehmer über die Symptome zu informieren. Erkennt man sich in einigen symptomatischen Verhaltensweisen wieder, können sich Betroffene Selbsthilfegruppen, wie die Anonymen Arbeitssüchtigen, anschließen. Der Erfahrungsaustausch mit anderen hilft den Betroffenen die Sucht hinter sich zu lassen und wieder in einen geregelten Arbeitsalltag zurück zu kehren. Dazu zählen sowohl regelmäßige Arbeitszeiten mit festen Pausen und eine angemessene Arbeitsmenge, sowie ein ausgeglichenes Verhältnis zwischen Arbeits- und Privateben wiederherzustellen.