Psychische Gefährdungsbeurteilung – Wie sieht es im EU-Vergleich aus?

Wie in vielen anderen Bereichen unterscheiden sich auch die rechtlichen Rahmenbedingungen und Abläufe bei der psychischen Gefährdungsbeurteilung innerhalb Europas stark voneinander. Bereits seit Juni 1989 gibt es die Europäische Arbeitsschutz-Rahmenrichtlinie (89/391/EWG) zur Gefährdungsbeurteilung. Darin wird der Arbeitgeber dazu aufgefordert eine Gefährdungsbeurteilung in Bezug auf alle Aspekte der Arbeit – also auch der psychischen Belastungen – durchzuführen, zu dokumentieren und Maßnahmen zu implementieren. Doch die tatsächlichen Umsetzungen auf nationaler Ebene unterscheiden sich immens.

So gab es beispielsweise in Schweden bereits 1977 ein Arbeitsumweltgesetz, welches auf die Anpassung der Arbeitsbedingungen an die psychischen Fähigkeiten der Beschäftigten abzielt. In Dänemark wurde anknüpfend an die EU-Rahmenrichtlinie eine generelle Verpflichtung zu einem systematischen Risikomanagement einschließlich der Dokumentationspflicht erlassen. Die Gefährdungsbeurteilung muss darüber hinaus spätestens alle drei Jahre wiederholt werden. 2007 wurde dann explizit die Analyse der psychosozialen Risikofaktoren mit aufgenommen. In Großbritannien ist sogar die Regierung selbst tätig geworden und hat ein evidenzbasiertes Handlungskonzept zur Umsetzung der psychosozialen Gefährdungsbeurteilung am Arbeitsplatz entwickelt. In Spanien hingegen gab es über längere Zeit keine rechtsverbindlichen Rahmenbedingungen zur psychosozialen Risikovermeidung. Nun werden zumindest Handlungsanleitungen für den Umgang mit psychischen Risiken in Unternehmen entwickelt. Auch Deutschland hat mit rechtlichen Verpflichtungen lange auf sich warten lassen. Hier ist die Durchführung seit 2014 gesetzliche Pflicht für alle Unternehmen unabhängig von Größe und Branche.

Was jedoch ein Großteil der EU-Ländern verbindet, sind regelmäßig durchgeführte nationale Befragungen zur Belastung der Arbeitsbevölkerung. Darauf können weiterführende Handlungsempfehlungen und Rahmenbedingungen auch von Seiten der Regierung abgeleitet werden und das theoretisch nicht nur auf nationaler Ebene, sondern europaübergreifend. Doch bis wir hier eine europaweite einheitliche Regelung hinsichtlich der psychischen Gefährdungsbeurteilung haben, bedarf es wohl noch etwas Zeit und Geduld!