Jeder Euro, der für die Behandlung von Personen mit Depressionen oder Angststörungen ausgegeben wird, bringt das Vierfache an „Gewinn“. Dies wird in einer neuen Studie der Weltgesundheitsorganisation (WHO) und der Weltbank dargestellt, welche kürzlich im britischen Medizin Journal „The Lancet“ publiziert wurde. Diese Untersuchung wurde in Washington von den beiden Organisationen präsentiert.

Zugang zur medizinischen Versorgung
"Wir wissen, dass die Behandlung von Depressionen und Angststörungen Sinn macht für die Gesundheit und die Lebensqualität. Diese neue Studie bestätigt eindeutig, dass das auch wirtschaftlich Sinn macht", berichtete WHO-Generaldirektorin Margaret Chan. "Wir müssen Mittel und Wege finden, um allen Männern, Frauen und Kindern überall auf der Welt Zugang zur Versorgung in Sachen psychischer Gesundheit zu verschaffen."

Die Weltbank bilanziert in der Studie die ökonomischen Kosten, welche durch Depressionen und Angststörungen weltweit entstehen, auf ca. eine Billionen US Dollar (880 Milliarden Euro). Diese Kosten entstehen weniger durch Aufwendungen für Therapien selbst, sondern viel mehr durch die Folgekosten dieser psychischen Erkrankungen wie Arbeitsplatzverlust, Pflegebedarf und so weiter.

Und die Zahlen der Betroffenen weltweit steigt stetig. "Zwischen 1990 und 2013 hat sich die Zahl der von Depressionen und/oder Angststörungen Betroffenen weltweit um fast 50 Prozent von 416 Millionen Menschen auf 615 Millionen Menschen erhöht. Etwa zehn Prozent der Weltbevölkerung sind betroffen. Psychische Störungen sind insgesamt für 30 Prozent der ‚Krankheitslast‘ verantwortlich", stellte die Weltgesundheitsorganisation fest. In akuten Notsituationen – sicherlich sind bewaffnete Konflikte mit Flüchtlingen als solche anzusehen – steige der Anteil der von pathologischen Angststörungen und Depressionen Betroffenen gar auf 20 Prozent der Bevölkerung.

Maßnahmen bringen Kosten aber auch „Gewinne“ mit sich
Die Kosten und der „Gewinn“ durch Maßnahmen zur Behandlung psychischer Erkrankungen wurden in der Studie für 36 Staaten mit niedrigem, mittlerem und hohem Bruttoinlandsprodukt für die Jahre 2016 bis 2023 berechnet. Ein Ausbau von Möglichkeiten zur Erstkonsultation und -Beratung wegen Depression und die Behandlung mit Antidepressiva würde demnach rund 147 Milliarden US-Dollar (129,06 Milliarden Euro) kosten. Dabei würde alleine eine 5%ige Verbesserung der Beschäftigung von Betroffenen einem Nutzen im Wert von 399 Milliarden US-Dollar (350,31 Milliarden Euro) gleichkommen. Zusätzlich könnten noch 310 Milliarden US-Dollars (272,17 Milliarden Euro) an Gesundheitskosten eingespannt werden.

Leider sieht die Realität auf dem Gebiet der psychischen Erkrankungen weltweit nicht sehr rosig aus. "Obwohl rund um die Welt Hunderte Millionen Menschen mit psychischen Störungen leben, ist dieses Thema im Schatten der Aufmerksamkeit geblieben. Dabei ist das nicht nur eine Frage der öffentlichen Gesundheit, sondern eine Angelegenheit der Entwicklung", erklärte Jim Yong Kim, Präsident der Weltbank. "Wir müssen jetzt handeln, weil sich die Weltwirtschaft diesen Produktivitätsverlust nicht leisten kann."

Fast 1 Million Österreicher nehmen Leistungen der Krankenkassen in Anspruch
Nach Experten Einschätzungen leiden rund 1,4 Millionen Österreicher an einer psychischen Erkrankung. Davon nehmen etwa 900.000 pro Jahr Leistungen der Krankenversicherungen in Anspruch. Ein steigender Bedarf an psychiatrischen Leistungen in den nächsten Jahren ist zu erwarten. Im Januar 2012 wurde dazu eine Psychiater-Bedarfsstudie veröffentlicht, welche vom unabhängigen Institut für Höhere Studien (IHS) in Wien in den Jahren 2011/2012 erstellt wurde. Die Schlussfolgerung daraus lautet: Es ist allein im Bereich der Fachärzte in Österreich mit einem Defizit von ca. 340 Psychiatern (Vollzeitäquivalente) zu rechnen.

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